Rennsteiglauf 2009

Rennsteiglauf 2009

29. Juli 2009 in Focus, Wettkämpfe Antworten

Nun war es endlich soweit. Der große Tag meines ersten HM kam näher. Mein Gewicht war von 105 kg auf immerhin unter 90 kg gesunken. Meine Fitness war sehr gut. Ich konnte mein Training recht gut durchziehen bis auf eine Grippe, die mich 2 Wochen flachgelegt hat. Ich hatte leichte Knieschmerzen rechts und machte mir schon Sorgen was das wohl werden wird.

Nun war der Mai gekommen. Und damit der Rennsteiglauf. Mein erster Halbmarathon. Man mag kaum glauben wie aufgeregt ich war. Fragen über Fragen stellten sich mir:

Würde ich es durchhalten? Welche Zeit kann ich laufen? Werden meine leichten Kniebeschwerden schlimmer? Wie werden mir die Höhenmeter bekommen?

Der letzte Trainingslauf war mies. 8 km wollte ich laufen. Nur 8 km! Nach 5 km mußte ich abbrechen wegen starken Schmerzen im rechten Bein. Wo der Schmerz genau saß? Keine Ahnung! In der Wade. Im Knie. Überall. PANIK! Was nun?

Zwei Tage Ruhe habe ich mir vor dem Debut verordnet. Und tatsächlich gingen die Beschwerden weg. Ich war topfit an diesem Tag. In Oberhof angekommen war es nach einer sehr regnerischen und stürmischen Nacht zumindest trocken und bewölkt. Eigentlich optimales Laufwetter. Die Temperatur auf dieser Höhe fühlte sich sehr kalt an – also nahm ich eine Jacke mit.

Kurz vor dem Start

Beim Rennsteiglauf wird in Startblöcke aufgeteilt. Sinnigerweise werden Neulinge gaaaanz hinten einsortiert. Super. Es schwant mir schon vorab Böses. Das Gefühl in dieser Masse zu stehen, fand ich zu Beginn richtig berauschend. Alles Gleichgesinnte — Verrückte. Unbeschreiblich. Große Freude das ich es so weit geschafft habe in solch einer Schlange zu stehen. Der Moderator macht Stimmung. Die Musik gefällt mir. Einmal noch die Schnürung kontrolliert und dann langes Warten auf den Startschuß! Laolawellen funktionieren hier richtig gut. Alle machen mit. Ich sehe mich um und mir schwant schon wieder böses – fast nur ältere Menschen. Menschen mit T-Shirts : “Ich walke den Rennsteig”. Verdammt. Warum nur wurde ich gezwungen hier zu stehen?

Der Start

Und nun ist es soweit! Der Startschuß. Natürlich brauche ich noch einige Zeit bis zur Ziellinie. Ich kann es kaum erwarten. Mein Puls schießt schon jetzt auf 140. Unglaublich! Und dann endlich die Startlinie! Jubeln! Schreie! Musik! Kreischen! Eine unglaubliche Stimmung erwartet mich kurz hinter der Startlinie. Ich versuche mich zu konzentrieren und laufe recht konstant mein Tempo auf einer breiten Teerstrasse. Stau gibt es hier nicht. Ich überhole viele Läufer. Niemand überholt mich an dieser Stelle. Das macht mich ein wenig Stolz und gibt mir Mut für den bestehenden Anstieg!

Nun biegen wir auf einen Waldweg ein. Der Weg wird natürlich zunehmends enger. Und -unglaublich- so gut wie alle gehen hier – an der ersten Steigung! Panik! Darauf war ich gar nicht vorbereitet! Also Ruckzuck seitlich auf den Hang geklettert und über Stock und Stein gerannt, damit ich wenistens halbwegs Geschwindigkeit aufnehme.

Der Aufstieg zum Beerberg

Ich knicke oft um. Muss aufpassen das ich nicht stürze. Überhole Gehenden um Gehenden. Insgeheim murmle ich immer wieder: RennsteigLAUF – nicht GEHsteiglauf. Nunja. Ich bahne mir meinen Weg zwischen Stock und Stein. Werde immer wieder gezwungen zu stoppen. Das kostet Kraft und viel Zeit. Die erste Verpflegungsstation nutzen viele um zu rasten. Ich bin kein bißchen ausgelastet und brauche nichts. Irgendwo muss ich wohl das Schild : “Beerberg – höchster Punkt des Laufes!” verpasst haben – es ging bergab.

Das Mittelstück

Hier konnte ich nun endlich wieder den Waldweg nutzen. Leider immer noch sehr verstopft und vor allem schlammig habe ich viele Menschen stürzen sehen. Ich mache etwas vorsichtiger und schaue zum ersten Mal auf die Uhr. Panik! Schnitt 7:10 min/km. Was nun? Gas geben! Ich sprinte los! Überhole weiterhin Läufer um Läufer und ärgere mich immer wieder über diese Vorgehensweise; neue Läufer in den letzten Startblock zu stecken. Das darf nicht wahr sein. Endlich kommt km 14. Die Strecke bleibt voll aber ich kann nun zumindest meine Geschwindigkeit laufen so wie ich sie möchte. Das ist aber nur mit einem extremen Schlängellauf möglich bei dem ich mich sehr konzentrieren muss, um nicht zu stürzen. Die Wege sind unheimlich schlammig. Die Wiesen stehen unter Wasser. Es ist verdammt rutschig. Riesige Wasserlöcher muss man umlaufen – mitten durchs Gestrüpp. Tja. Wer als ersten Lauf einen Crosslauf wählt ist ja auch selbst schuld.

Das Ende naht

Es geht mehr bergab als bergauf. Ich gebe Gas und laufe nun ständig mit einer Geschwindigkeit von 5 min/km. Ich muss mich ständig drosseln damit ich mich nicht verletze. Umknicken ist keine Seltenheit. Die Wege sind unterspült. Viele Wurzeln. Es ist nicht leicht. Ich überhole weiterhin unheimlich viele Läufer. Das motiviert mich mittlerweile, da ich in meinem Lauf nicht mehr behindert werde. Es macht zunehmend Spaß. Dann kommt noch ein Anstieg! Daran habe ich gar nicht mehr gedacht. Natürlich habe ich mir vorher genau das Höhenprofil angeschaut. Vergessen hab ich den Anstieg dennoch. Und der hatte es echt in sich! Wiederum scheinen alle zu gehen. Ich gebe dagegen Gas und versuche Zeit gut zu machen. Es ist hart! Sehr hart! Die Tränen stehen mir in die Augen. Zuschauer rufen mir zu : “Weiter so! Durchhalten”. Ich kann den Berg mit 5:30 min/km erklimmen. Unglaublich! Auf der Kuppe bietet sich eine wunderschöne Aussicht auf den Thüringer Wald. Toll! Endlich habe ich Blick auf die Landschaft, da die Strecke nun nicht mehr so rutschig ist. Ich finde aber weiterhin niemanden der in meiner Geschwindigkeit läuft. Schade.

Endspurt

Nun steht ein Helfer am Strassenrand und behauptet das es nun nur noch bergab geht. Ich gebe wieder Gas. Mobilisiere meine Kräfte. Ich bin gut drauf. Da geht noch was. Ich streife mit meinen Blicken die wunderschöne Landschaft und nutze den Berablauf, um die erste schlechte Hälfte wieder gut zu machen. Meine Geschwindigkeit interessiert mich nicht mehr. Ich fühle mich als ob ich den Berg hinunterfliege! Ich überhole viele in sehr hoher Geschwindigkeit. Nun werden es wieder mehr Zuschauer. Jubel. Schreie. Ich spüre das Ziel. Musik überall. Ich gebe noch mehr Gas. Der letzte fiese Anstieg – ich gebe jetzt nicht mehr auf. Ich versuche alle Kräfte zu mobilisieren und sprinte nun mit unglaublichen 4:30 min/km die letzten beiden Kilometer. Bis ins Ziel kann ich noch mindestens 20 Läufer überholen. Es macht mir Spaß! Über die Matten und —- Sieg! Die Mühe hat sich gelohnt.

Nach dem Lauf

Meine Beine waren schwer. Ich taumle umher. Versuche nicht anzuhalten. Wie in Trace trinke ich Becher um Becher Wasser. Ich bin froh und stolz auf meine Zeit. 2:10 habe ich mir vorgenommen. 2:02 sind es geworden. Ich war mir jederzeit sicher das ich die 2 Stunden Marke geknackt hätte wenn da nicht die sehr langsame erste Hälfte gewesen wäre.

Fazit

Ich kann den Rennsteiglauf sehr empfehlen. Das einzige Problem werden ambitionierte Läufer haben, wenn sie gleich beim ersten Lauf ein wenig schneller laufen wollen. Ich bin nun wahrlich kein Düsenjet. Eher eine Dampflokomotive. Wie muss es erst den richtig schnellen Läufern ergangen sein? Dennoch ist die Landschaft beeindruckend. Es ist alles gut organisiert. Die Stimmung reißt mit und die Thüringer sind sehr nett und feuern einen an. Ich habe leider auch einen ungünstigen Tag erwischt, was das Wetter betrifft. In der Nacht hat es eimerweise geregnet. Der Boden war aufgeweicht, durchnässt und durchspült. Das ist sicher nicht immer so. Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Wahrscheinlich beim Marathon. Dort gibt es glücklicherweise auch keine Startblöcke

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10. March 2010

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  • An-Kas zu Faul - irgendwie:
    Hey, vielleicht ist das ja gar keine Ausrede und dein Körper sagt dir dam...
  • An-Kas zu Da isser wieder:
    Hey, ein Dreißiger! Toll, habe ich auch im Urlaub ein paarmal gemacht - je...
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    Und von meiner Seite auch alls Gute. Fühlt sich acuh gut an, oder! ;o) Abe...
  • bo58 zu Da isser wieder:
    Hey! Einen 30er muss man erst mal laufen, ganz egal in welchem Tempo! Gut g...
  • An-Kas zu Gelb-Schwarzer Tag:
    Au weia, das ist ja echt übel! Tut es denn auch weh? Wünsche dir gute Bes...

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