Metropol(halb)marathon

Metropol(halb)marathon

14. August 2009 in Focus, Wettkämpfe 5 Kommentare

Vorgeschichte
Nun war also mein erster HM (Rennsteiglauf) vorüber, entdeckte ich doch einen Lauf, der ganz in meiner Nähe stattfinden sollte. Ich habe noch nie von diesem Lauf gehört, aber ich wollte die Gelegenheit nutzen, um das knapp verfehlte 2 Stunden Ziel doch noch zu knacken. Ich habe mich auch erst recht kurzfristig angemeldet.

Der Vorabend
Ganz im Gegensatz zum Rennsteiglauf habe ich keinerlei Schmerzen oder Krankheiten. Es geht mir gut. Ich hole meine Startunterlagen ab und das ging sogar ohne Schlange stehen zu müssen. Also schon einmal sehr gut organisiert das Ganze. Nutzen wollte ich auch gleich den Pastapartygutschein. Nunja. Eigentlich bin ich davon ausgegangen ein komplettes Gericht kostenlos zu bekommen. Dem war dann nicht so. Vielmehr hatte ich tatsächlich einen 2 EUR Gutschein. Naja. Besser als nichts habe ich mich an die Pasta gewagt. Lecker war sie ja. Am späteren Abend habe ich mit Sunny noch einmal das Fest besuchen wollen. Und was sehen wir da?

Nichts! Gar nichts. Kaum Menschen. Naja. Die Band war gut. Die paar Menschen die hier saßen brachten aber keine Stimmung. Irgendwie bedrückt.

Immerhin war ich deutlich weniger nervös als vor dem Rennsteiglauf. Doch gingen mir einige Sachen durch den Kopf. Wird es klappen sich diesmal weiter vorne zu platzieren? Werde ich die Geschwindigkeit halten können? War das Training ausreichend? Leider ist diesmal Sunny nicht mit am Start. Somit muss ich meine Läufernervosität alleine bekämpfen.
Es wurde spät. Die Stimmung wurde besser aber ich wollte dann besser nach Hause. Ausruhen. Kräfte sammeln. Es war trotz Tapering eine sehr harte Arbeits-/Studiumwoche.

Ein paar Stunden vor dem Start
Wie immer versuche ich am Vortag sehr früh aufzustehen, um abends dann sehr müde ins Bett zu fallen. Das hat wieder einmal gut funktioniert. Hundemüde schläft es sich einfach besser. Somit  war ich am morgen vor dem Lauf wieder sehr früh wach und fit, um rechtzeitig am Start zu sein.

Auf nach Fürth mit dem Zug um mich dort noch ein wenig warmzulaufen. Diesmal komme ich mir schon wie ein alter Hase vor. Einlaufen. Rund zwei Kilometer in den Menschenmassen. Es fühlt sich seltsam an. Warum hier schon Energie verschwenden? Ganz klar! Heute geht es richtig zur Sache. Ich möchte gleich schnell starten. Hier sind warme Muskeln von Vorteil.

Ich habe mich vorher recht gut über das Höhenprofil, Startrichtung und Umgebung informiert. Somit hat es mich gewundert das so viele in die falsche Richtung standen. Bis der Moderator endlich einmal die Leute auf die andere Seite schickte, dauerte es bis 15 Minuten vor dem Start. Das gab dann ein wenig Gedrängel. Ich stand diesmal recht gut platziert; ganz im Gegensatz zum Rennsteiglauf; recht weit vorne. Zu weit vorne, wie ich später bemerkt habe. Das nächste Mal muss ich einen Mittelweg finden um andere nicht zu behindern. Daran merkt man eben das ich noch blutiger Anfänger bin.

Kurz vor dem Start
Stimmung wollte hier nicht so recht aufkommen. Laber laber laber. Statt fetzige Stimmungsmusik nur Gerede. Schrecklich. Das haben die Thüringer deutlich besser drauf. Ich war schon richtig demotiviert und habe nur noch auf den Start gehofft. Ich sah laut Sunny richtig genervt aus.

Der Start
Endlich weg von diesem Moderator! Diesmal kann ich wirklich in meiner Geschwindigkeit starten. Völlig deprimiert vom schlechtem Startprogramm laufe ich los und lasse mich von klatschenden Zuschauern endlich in die richtige Stimmung bringen!

Ja! Ja! Ja! Endlich! Ich bin heiß!! Ich bin heiß auf den Lauf! Heiß auf die nächsten zwei Stunden!

Natürlich laufe ich so viel zu schnell los. 5:00 min/km auf den ersten drei Kilometern. So kann das nicht gut gehen. Ruhig Ricky. Ruhig. Ich versuche abzubremsen. Langsam pendle ich mich bei 5:30 min/km ein. Warum nicht. Der Puls ist ok. Ich fühle mich gut. Weiter so!

Die ersten zehn Kilometer
Euphorie weicht Konzentration. Ich bin hochkonzentriert. Mich stört nichts. Ich nehme alles auf. Jeder Band wird gelauscht. Nichts bringt mich aus der Ruhe. Ich nehme jedes Getränk an, verweile aber keine Sekunde an der Getränkestation. Heute ist mein Tag! Die zwei Stunden werden fallen! Ich liege gut in der Zeit. Ich fühle mich topfit. Jedem Zuschauer wird zurückgejubelt. Ich konzentriere mich, aber die Strecke ist einfach zu genial um sie nicht zu beachten. Ich genieße das Jubeln der Fürther. Spaß ist heute kein Ausdruck. Auffallend die häufigen Getränkestationen.

Bis Kilometer 18
Ich laufe durch die verschiedensten Gegenden Fürths. Durch tolle grüne Landschaften. Einem Kanal. Ein Stadion! Ja tatsächlich. Eine halbe Runde durch ein kleines Stadion durften wir rennen. Ich merke so langsam das ich schon lange viel zu schnell unterwegs war. Aber das macht mir (noch) nichts. Ich bin hochmotiviert. Die Uhr zeigt unglaubliche 5:29 min/km an. Kann das sein? Egal!

So langsam wird es wieder urbaner. Noch mehr Menschen an den Straßen. Ich bin fertig. Die Zuschauer treiben mich durch die Stadt! Es wird zunehmend schwerer. Ich nutze jede Getränkestation (die immer häufiger werden) um mir gleich zwei Becher zu krallen. Ich war so fertig das mir einer beim Krallen runtergefallen ist. Da ist ein kleiner Junge mit einem vollem Becher hinterhergesprintet und hat mir einen neuen gereicht! Toll!

Die letzten Kilometer
Aufhören? Nein. Bloß nicht. Dann brauch ich noch länger zu den Getränken und dem Essen im Ziel. Ich laufe wie in Trance. Kein Blick mehr für die Pulsuhr. Ziel ich komme! Komm! Du hast es so lange durchgehalten! Das schaffst du! Ein starker Anstieg lässt mich verzweifeln. Der Stadtkern liegt schon vor mir! Ich bin doch kein Walker! So schaffe ich es meine Geschwindigkeit zu halten. Jetzt habe ich keine Kraft mehr zurückzujubeln. Ich versuche meine Kraft für die letzten Kilometer zu sammeln. “Ja Ricky! Wohoho Endspurt!” Was? Wo? Wie? Das bin ja ich. Ich schaue hoch und sehe Sunny mir zujubeln. Ich raffe mich auf! Na also! Es geht doch! Bald bist du im Ziel!

Ich laufe nun wieder motivierter. Mein Schritt sieht wieder sportlicher aus. Was solch eine Motivationsspritze doch ausmachen kann. Ich konzentriere mich auf das Kopfsteinpflaster und plötzlich : “Ricky! Zielgerade! Gleich geschafft!”. Da steht sie schon wieder. Was? Wie? Ist sie schneller gegangen als ich gelaufen? Nicht nachdenken.

Ich biege um eine Ecke und sehe das Ziel! JAAA! Ich gebe Gas! Ein letztes Mal. Arme hoch. Straffer Oberkörper. Die Beine arbeiten gut mit. Ich sprinte mit hoher Geschwindigkeit ins Ziel. Völlig torkelnd hängt mir jemand meine Medaille um. Ich versuche nicht anzuhalten. Wo sind die Getränke. Schnell!

Wasser um Wasser trinke ich, bis Sunny endlich eintrifft. Das kommt mir ewig lange vor. Jetzt erst schaue ich auf die Uhr. Mein Puls sinkt. Die Zeit? 1:54:19? Hä? Nein. Das kann nicht sein. Besser mal das offizielle Ergebnis abwarten.

Tatsächlich bestätigt sich diese Zeit auf die Sekunde genau. Überglücklich verlasse ich das Gelände um einen schönen Tag ausklingen zu lassen.

Nächstes Jahr liebes Fürther Team, bin ich wieder dabei. Aber diesmal beim Marathon!

Fazit

Dieser Lauf hat mir sehr gefallen. Ich war gut vorbereitet. Hatte keine Angst. Habe gekämpft. Es war alles sehr gut organisiert. Es gab Melonen auf der Strecke. Kuchen im Ziel. Unheimlich viele Getränkestellen. Überhaupt. Alles was das Läuferherz begehrt und dazu noch eine recht niedrige Anmeldegebühr. Ich kann diesen Lauf nur weiterempfehlen!

5 Kommentare

  • Marius
    15. August 2009

    Super Bericht, tolle Leistung! Da hat man direkt Lust, beim nächsten Mal mitzulaufen.
    Für mich zumindest ist es bis dahin aber noch ein sehr weiter weg :)

    MfG Marius

  • bo58
    15. August 2009

    Hey Ricky, das ist ja eine Superzeit! Ich gratuliere! Das gibt doch Ansporn für die weiteren harten Trainings und Mut für den Marathon. Schön, dass deine Verletzung weniger schlimm war als befürchtet!

  • Kai
    15. August 2009

    Super Bericht, da kommt die Emotion wirklich ein bißchen rüber :-) Schade das Fürth so weit weg ist und ein Halbmarathon zu lang für mich ist *g*

  • An-Kas
    15. August 2009

    Ich gratuliere! Das ist ja ein super-Lauf gewesen! Toll beschrieben und super gelaufen!
    Viele Grüße, Anke

  • Stefan
    16. August 2009

    Hey Ricky,
    GRATULATION!
    Ein klasse Bericht. Habe beim Lesen ein paar mal wirklich schmunzeln müssen. Super.
    Und Fürth ist von mir nich so weit weg: Nächstes Jahr bin ich dabei…aber ich laufe dann nur eine Runde. Verspreche aber, dich dann in der Zweiten auch anzufeuern!

    Gruß, Stefan

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